Geschichte

Dieser Bereich ist der Vergangenheit Tokelaus gewidmet. Sie erfahren, wie Tokelau von polynesischen Seefahrern besiedelt und später von den Europäern kolonialisiert wurde. Auch auf die gescheiterten Unabhängigkeitsreferenden wird hier eingegangen.

Polynesische Besiedlung

Die Atolle, die heute Tokelau bilden, wurden vermutlich vor etwa 1000 Jahren von den Polynesiern besiedelt. Es ist nur sehr wenig über die Herkunft der Seefahrer bekannt, doch wahrscheinlich stammten die ersten Tokelauer aus Samoa, Rarotonga (Cookinseln) und Nanumanga (Tuvalu). Allerdings gab es damals nicht das vereinte Tokelau, das wir heute kennen, sondern die einzelnen Atolle waren voneinander unabhängige und verfeindete Einheiten. Erst eine Serie von Kriegen im 18. Jahrhundert markierte den Anfang des vereinten Tokelaus. Fakaofo eroberte die beiden anderen Atolle Nukunonu und Atafu, so dass im Namen des Gottes Tui Tokelau (siehe Religion) ein neues gemeinsames Land namens Tokelau entstehen konnte.

Traditioneller Tanz

Abb.: Traditioneller Tanz, © 2006 Thomas Buchheit

Europäischer Einfluss & Bevölkerungsschwund

In dieser Zeit mehrten sich auch die Kontakte mit europäischen und amerikanischen Seefahrern. Speziell die Walfänger entdeckten die Gewässer Tokelaus für sich. Mitte des 19. Jahrhunderts geriet Tokelau in den Fokus der Missionare. Noch heute spiegelt die Verteilung der Konfessionen (siehe Religion) die Ankunft der katholischen bzw. protestantischen Missionare von damals wieder. Die Jahre nach 1850 standen für die Tokelauer unter keinem guten Stern. Ein französischer Missionar siedelte 500 Tokelauer nach Wallis (frz. Kolonie) um, da er Angst hatte, die Tokelauer würden in Ihrer Heimat verhungern. Kurze Zeit später überfielen peruanische Sklavenhändler die Atolle und nahmen 250 Menschen mit sich. Die Bevölkerung Tokelaus wurde dadurch auf lediglich 200 Personen dezimiert. Um den verbleibenden Tokelauern eine sichere Zukunft zu ermöglichen, verhandelte man mit Großbritannien über eine Annexion der Atolle. 1889 wurde Tokelau, damals auch ‘Union Islands’ genannt, in die britische Kolonie der Gilbert & Ellice Islands eingegliedert.

Auswanderungswellen

Die nun folgenden Jahre waren von (freiwilliger) Auswanderung geprägt. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts verließen zahlreiche Tokelauer ihre Atolle, um in den Phosphatminen auf Banaba (eine Insel, die heute zur Republik Kiribati gehört) zu arbeiten. Als 1925 die Verwaltung Tokelaus von Großbritannien auf Neuseeland überging, verlagerte sich der Strom der Auswanderer nach (West-)Samoa, was zur damaligen Zeit ebenfalls zu Neuseeland gehörte. Nachdem Samoa aber 1962 die Unabhängigkeit erlangte, zog es die Tokelauer nun ins Mutterland Neuseeland. Daran hat sich bis zum heutigen Tage nichts geändert, weswegen sich die Bevölkerung der Atolle stetig verringert (siehe Bevölkerung).

Gescheiterte Unabhängigkeit

Tokelau ist heute ein neuseeländisches Außengebiet, also ein abhängiges Land. Die Bezeichnung 'Kolonie' wäre auch zutreffend, nur wird dieser Begriff bei manchen Tokelauern (und Neuseeländern) ungern gehört. Schon seit langem wurde Tokelau von der UN zu mehr Selbstständigkeit gedrängt, doch die Insulaner befürchteten bei einer etwaigen Unabhängigkeit den Verlust der finanziellen Unterstützung von Neuseeland. Würde die Entwicklungshilfe nämlich wegfallen, könnte Tokelau in seiner heutigen Form nicht überleben. Außerdem zweifelten viele Tokelauer an den Führungsqualitäten ihrer Politiker. Doch allen Bedenken zum Trotz traten im Jahr 2004 bedeutende Änderungen im politischen Leben Tokelaus in Kraft. Beispielsweise wurden dem Tokelau Apia Liaison Office in Samoa bzw. dem Administrator einige Zuständigkeiten im Bereich des öffentlichen Dienstes entzogen und an die drei örtlichen Atoll-Verwaltungen (Taupulega*) übertragen. Man wollte den Tokelauern auf diese Weise mehr Eigenverantwortung zukommen lassen. Im Jahr 2006 fand ein Referendum statt, bei dem die Tokelauer entscheiden sollten, ob sie mehr Unabhängigkeit für ihr Land oder den Status Quo beibehalten wollten. Aufgrund der schon genannten Bedenken wurde die notwendige Mehrheit für eine Selbstständigkeit nicht erreicht. Im Oktober 2007 fand ein zweites Referendum statt, doch auch dieses scheiterte. Lediglich 16 Stimmen mehr hätten gereicht, um einen Wechsel des jetzigen Status von Tokelau hin zu einer Freien Assoziation mit Neuseeland (wie die Cookinseln oder Niue) herbeizuführen. Über ein weiteres Referendum ist momentan nichts bekannt.